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Because It Is Not A Band, It Is An Idea. - Teil 1

 

Ich bin mir nicht so ganz sicher, warum ich das hier schreibe.

Zu einem großen Teil sicher nur, weil ich so verdammt traurig bin.

Zu einem anderen Teil aber auch, weil das hier nicht nur für die Band ein großer Cut im Leben ist.

Für mich ist es das nämlich auch.

Wenn man mich fragt, kam der Break-Up zur genau richtigen und genau falschen Zeit.

 

Auf leisen Schritten bewege ich mich in die Küche. Ich bin die Ruhe selbst, gehe ganz automatisch im Kopf durch, was ich heute noch zu tun habe, konzentriere mich aber am meisten auf das, was ich als nächstes tun werde.

Ich bin gerade erst vom Supermarkt zurückgekommen. Da ich am Rande der Stadt wohne, muss ich extra einen Bus nehmen, um wieder zu meinem Häuserblock zu kommen. Es ist nervig, und ich werde darum auch bald umziehen. Aber nicht nur aus diesem Grund.

Wie immer ist es viel zu warm in der Wohnung, also öffne ich ein Fenster. Im Hinterkopf gehe ich immer noch alles durch: Kaffee machen, Jacke aufhängen, Schlüssel verstauen.

Das tue ich auch, werfe die Maschine an und stelle eine Tasse darunter.

Draußen ist es furchtbar düster, dabei ist noch Tag. Und es schneit auch immer noch. Bis zum 23. Hatten wir angemessenes Frühlingswetter. Und dann dieser wiederholte Wintereinbruch. Dieses Jahr kehrt der Schnee wirklich oft zurück. Als würde er nicht gehen wollen, als hätte er noch etwas zu tun.

Nachdem ich mir den Kaffee gemacht habe, kehre ich noch einmal zur Eingangstüre zurück. Kaffee, Zigaretten. Ich habe mir wieder welche besorgt, obwohl ich seit meiner Krankenhausentlassung kein Raucher mehr bin. Auch keiner mehr sein darf.

Aber heute denke ich nicht daran. Ich dachte auch nicht daran, als ich sie mir besorgt habe. In Wirklichkeit dachte ich nur an eines:

An den Brief.

Also setze ich mich mit dem Kaffee und den Zigaretten und einem Aschenbecher zurück in mein Bett. Von hier aus sieht meine Wohnung noch chaotischer aus.

In der letzten Zeit war sie eigentlich ordentlich. Ich hab immer schon mit der Ordnung gekämpft, es fiel mir nie leicht. Das liegt mit Sicherheit daran, dass es ein Ausdruck meiner Persönlichkeit ist. Mein Lebensraum ist intensiv mit mir verbunden. Und in meinem Kopf herrscht seit 12 Jahren Chaos. Wie ein Sturm, der sich niemals verzieht.

Für mich ist das ein besonderes Jahr.

Nach dem ersten Krankheitsschub mit 15 Jahren hatte ich gute drei Jahre Ruhe von der Krankheit gehabt. Damals war unklar, um welche Krankheit es sich handelte. Es fehlte Wissen. Die Krankheit ist nicht sehr weit verbreitet.

Als sie sich voriges Jahr im September wieder zeigte, standen meine Mutter und ich erneut vor dem Rätsel. Ich musste das Studium bei Seite schieben. Mit der Krankheit kamen nicht nur Schmerzen, sondern auch starke Depressionen. Teils Anzeichen der Krankheit, teils Überbleibsel meines 12 jahrelangen Überlebenskampfes.

Wir suchten einen Spezialisten auf, dabei fehlte uns genau genommen das Geld dafür. Ein Wahlarzt ist teuer, aber eine andere Möglichkeit blieb uns nicht.

Ich fühlte mich in der Zeit sehr schlecht. Körperlich schlecht. Psychisch schlecht. Das Studium konnte mich nicht länger ablenken, ich hatte auch keine Kraft mehr dafür. Ich hatte sowieso keine Kraft mehr, für überhaupt nichts.

Da ich zu dem Zeitpunkt bereits in meiner eigenen Wohnung lebte und meine Mutter sehr weit weg, war ich auch die meiste Zeit einsam. Einsam mit der Krankheit, einsam mit den schwierigen Entscheidungen, die ich nun zu treffen hatte, einsam durch die gewaltige Last auf meinen Schultern, nichts zu wissen. Kein Wissen, was mit mir los war.

Ich versuchte mich auf die Heilung zu konzentrieren. Besuchte immer wieder den Arzt, selbst dann noch, als ich schon lange nicht mehr glaubte, dass er mich ernst nahm.

Am 19.01. zeigte sich, was für ein Fehler er damit begangen hatte.

Morgens schien alles noch halbwegs erträglich, aber während dem Treffen mit einer Freundin wuchs in mir immer mehr der Verdacht, dass heute etwas Entscheidendes passieren würde.

Ich war für einige gute halbe Stunde verdammt verwirrt und konnte auch keine Antwort dafür finden. Obwohl ich es probierte, konnte ich nicht länger das Gespräch mit ihr aufrecht zu erhalten. Also beschloss ich, nach Hause zu fahren.

Es passierte in der Küche.

Ein verdammt grober Schmerz fuhr mir den Rücken hinauf und setzte sich dort fest. Mir war klar, was dieses Symptom mir sagen wollte. Ein Krankheitsschub.

Wie immer versuchte ich, nicht über zu reagieren. Ich begann sogar noch damit, Gemüse zu putzen.

Aber dann wurde der Schmerz übermächtig.

Plötzlich packte mich das Gefühl von Eile. Ich lief richtiggehend zurück in mein Schlafzimmer und wählte schnell meine Mutter an. In weniger als zwei Minuten hatte ich sie über alles in Kenntnis gesetzt und rief den Notarzt an. Als dieser mir sagte, dass er mir nicht helfen könnte, rief ich noch einmal bei meiner Mutter an.

Und am Schluss die Rettung.

Ich habe keine Ahnung, wann die Tränen begannen, zu rollen, aber als ich mich endlich dazu hatte aufraffen können, Sachen einzupacken, war mein Gesicht triefendnass.

Die Rettung kam und ich erfuhr noch am selben Abend, dass ich beinahe ins Koma gefallen wäre. Ich bekam sofort Infusionen, ein Zimmer und allerlei Medikamente.

Daneben aber, das allerwichtigste. Eine Diagnose.

In den nächsten Tagen schlief ich permanent. Ich schlief, aß und heulte. Ich aß, heulte und schlief. Einige Untersuchungen warteten auf mich. 5 Jahre war ich mit einer Krankheit herum gelaufen, die nicht behandelt worden war. Welche Schäden zurückgeblieben waren, konnte man nur erahnen. Aber mir wurde deutlich gemacht, dass ich neben der Diagnose noch ein paar andere Probleme würde akzeptieren müssen.

Ständiger Schwindel, Übelkeit, Gliederschmerzen und nie enden wollende Depressionen zwangen mich aus dem Krankenhaus zu gehen. Ich musste Leben sehen. Natur, andere Menschen, den Himmel. Auch wenn dieser ständig von fallendem Schnee vernebelt wurde.

Und ich musste hören. Das Geräusch meines Gewichtes, wenn ich einen Schritt tat. Singende Vögel und rauschender Wind.

Und Musik.

Also ging ich. Ich ging trotz all den Schmerzen drei Stunden lang durch den nahegelegenen Park des Krankenhauses.

Ich hatte nicht besonders viel mitgebracht, außer meinem Handy. Und dieses konnte nicht mehr als fünf Lieder speichern.

Johnny Cash, „Hurt“. The Narrative, „The photographer’s daughter“. Nico Vega, „Iron Man“. My Chemical Romance, „The World Is Ugly“. My Chemical Romance, „The Light Behind Your Eyes.“

Letzteres hörte ich stundenlang, ohne Unterbrechung. Ich ging, lief, und versuchte das Krankenhaus und all das andere irgendwie hinter mir zu lassen.

Ich wusste, es hing an mir. Ich würde es nie abschütteln können. Das war mein Leben.

Und das Leben kann man nicht abschütteln.

 

In solchen Situationen wird die Zukunft ungreifbar. Unvorstellbar. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Ich wusste nicht, wie ich so mein Studium beenden sollte.

Meine Welt hatte sich um 180 Grad gedreht.

Nach einigen Stunden des Spazierens fand ich mich bei diesem Gedanken auf einmal auf dem kleinen Hügel hinter dem Krankenhaus vor. Der Nachmittag war der Nacht gewichen.

Dem immerwährenden Schmerzen in meinen Beinen bewusst und der Kälte, die mich ungehemmt überfiel, verstand ich das alles ganz plötzlich.

Nur die Musik in meinen Ohren war dieselbe geblieben.

 

Ich weiß, dass es nicht nur mir so ergeht und erging. Viele suchen und finden Trost, Anerkennung, Respekt und Mitgefühl in Musik. Genauso wie Faszination und Freude.

Früher hielt ich mich darum auch nie für etwas Besonderes. Und ich tue es heute auch nicht.

Ich bin schließlich nur eine einzige Person, unter so vielen anderen.

Was ich damals nur nie verstanden habe, ist, dass alles mit einer Person beginnt. Und dann kommt eine hinzu, und dann noch eine, und dann noch eine. So entsteht eine Stadt, eine Community, eine Band, eine Fanbase.

Und wir alle haben Einfluss aufeinander.

 

 

Mich beeinflusste die Band, durch zu halten.

Und das tat ich.

Man kann es Glück im Unglück nennen, dass keine weiteren Schäden an mir gefunden wurden, oder auch nicht. Fakt ist, dass ich immer noch mit der Krankheit zu kämpfen habe. Es wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.

Ich werde umziehen müssen, um näher am Krankenhaus zu sein. Ich werde stets mehr auf meinen Körper achten müssen, die Krankheit wird mich bei Zeiten immer einmal wieder zurück werfen.

Es ist nicht das Leben, das ich mir vorgestellt habe. Aber ich habe Hoffnung.

Bis heute.

Diese Hoffnung habe ich zu einem großen Teil MCR zu verdanken.

 Für mich ist dieses Jahr ein Neuanfang. Doch bevor man neu anfangen kann, muss man altes beenden. Also kann ich Gerards Brief nicht lesen, ohne meine letzten 12 Jahre zu reflektieren.

 

25.3.13 19:33
 
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